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Ayurveda im Herbst

Wie wir mit Ayurveda im Herbst nicht den Boden unter den Füßen verlieren

 

Schon im Sommer habe ich euch ein paar Tipps für die heiße Jahreszeit zusammengestellt, damit ihr ein paar Kniffe aus dem Ayurveda anwenden könnt, um in Balance zu bleiben. Ich hoffe, der Artikel hat euch gefallen und geholfen! Zum Herbstbeginn, knüpfe ich direkt mit meinen Empfehlungen für den Herbst an.

 

Ich werde heute viel über das Dosha Vata schreiben, es gibt aber auch noch seine Geschwister Pitta und Kapha. Die Elemente Äther (oder auch Raum) und Luft, Feuer, Wasser und Erde sind die Bausteine, aus denen sich die Doshas in unterschiedlich starker Gewichtung zusammensetzen. So besteht Vata aus Äther und Luft, Pitta aus Feuer und Wasser und Kapha setzt sich vorwiegend aus Erde und Wasser zusammen.

 

Jedes Dosha enthält jedoch immer auch alle anderen Elemente - der Anteil dieser bestimmt jedoch seine Qualitäten und seinen Charakter. Jeder Mensch besitzt ebenfalls alle drei Bionergien und somit alle Elemente. Allerdings sind auch hier meist ein bis zwei Doshas vordergründig aktiv und bestimmen unser Wesen, unsere körperlichen Voraussetzungen und unsere Anfälligkeiten für bestimmte Erkrankungen. Hier kommen die Jahreszeiten ins Spiel. Jede Zeit bringt ihre Qualitäten mit sich, die uns und unsere angeborene Natur unterschiedlich beeinflussen. Kennen wir diese, so bleiben wir durch einfache Tricks in unserer natürlichen Balance.

 

Der Herbst steht ganz für die Themen Veränderung und Bewegung. Es beginnt eine dynamische Zeit des Wechsels, eine Vorbereitung auf den kühleren Abschnitt des Jahres: Wechselhaftigkeit, ein echtes Vata-Thema. Ayurveda ordnet dem Herbst unter anderem die Qualitäten kühl, trocken und bewegt zu. Die sogenannte Vata-Jahreszeit beginnt im September und reicht bis zum frühen Winter im November. Wir brauchen jetzt Wärme und Erdung, um der nun oft sehr wechselhaften Zeit und dem ein oder anderen Herbststurm zu trotzen.

 

Ritucharya, die saisonale Routine – Tagesroutinen im Herbst

 

Es heißt, dass die Eigenschaften des Herbstes trocken, windig, beweglich, rau, kalt und leicht das für diese Jahreszeit stehende Vata-Dosha verstärken. „Wie außen so innen“ sagt der Ayurveda und es bedeutet, dass die uns umgebenden Bedingungen bestimmen, wie es uns ergeht, wie unser Körper, physisch und auf mentaler Ebene, beeinflusst wird. Da Vata sich aus den Elementen Luft und Äther zusammensetzt, ist es nicht erstaunlich, dass sich besonders diese Elemente von typischen Herbstfaktoren wie Wind und Kälte beeinflussen lassen. Daher macht es im Herbst meistens Sinn, Vata zu senken. Mit einigen Routinen im Alltag und der Ernährung können diese Aspekte leicht positiv beeinflusst werden.

 

Biorhythmus

 

Das Ziel einer ayurvedisch orientierten Lebensweise ist, grob heruntergebrochen, im Gleichgewicht zu bleiben. Wir könnten z.B. versuchen, uns an unserem individuellen Biorhythmus zu orientieren und dabei gleichzeitig die uns umgebenden Bedingungen, wie die Jahreszeit, berücksichtigen. Ausgeglichen mit unserer eigenen Natur bleiben wir in Balance. Wir spüren es immer wieder: Unser Lebensstil ist maßgeblich daran beteiligt, wie sich unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden langfristig gestalten. Ayurveda weiß das schon seit Jahrhunderten und setzt sich dieses Wissen als Standard.

 

Schlaf

 

Da die Tage nun recht flott kürzer werden, ist es völlig normal, dass wir etwas müder werden und ein erhöhtes Schlafbedürfnis haben. Dieses Jahr erfolgt die Zeitumstellung am 31. Oktober 2021. Einige von uns brauchen eine ganze Weile, bis sie sich an den neuen Rhythmus gewöhnt haben. Im Ayurveda beginnt um 22 Uhr das Pitta erneut zu wirken. Daher wird empfohlen, schon davor im Bett zu liegen, wenn noch Kapha vorherrscht, mit seinen schweren, langsamen und weichen Qualitäten, die uns in den Schlaf bringen. Kapha steht ebenfalls für Reproduktion und besonders jetzt im Herbst sollte die Nacht und ein früher Schlaf für die natürliche Reparaturphase des Körpers und Regeneration der Zellen genutzt werden.

 

Alltagstipps – leicht umzusetzen

 

Mütze und Schal sind jetzt gefragt. Ohren und Hals sind sehr kälteempfindlich und mögen besonders den herbstlichen Wind nicht. IN diesen Körperteilen ist Vata lokalisiert und lässt sich besonders leicht von kalter Herbstluft stören. Die oft wechselhaften Temperaturen machen einen Zwiebellook nötig um ganz „ayurveda-style“ auf die sich ändernden Bedingungen eines Herbsttages reagieren zu können.

 

Den Tag sollten wir mit warmem Ingwer-Wasser beginnen. Ingwer lindert Vata und Kapha und ist auch für Pitta im Herbst zu empfehlen, wobei bei einem starken Pitta-Dosha darauf geachtet werden darf, wie Ingwer auf Dauer wirkt. Koche hierzu wie gewohnt Leitungswasser auf und übergieße damit eine Scheibe frischen Ingwer. Sobald sich die Verdauung zu sehr beschleunigt und andere Hitze-Symptome auftauchen, war es zu viel! Bitte achtsam bleiben und vorsichtig beginnen.

 

Einölen des Körpers mit Sesamöl am besten vor der warmen Dusche. Sesamöl hat eine beruhigende und ausgleichende Wirkung, was das luftige Vata gut brauchen kann. Das Einmassieren entgegen der Haarwuchsrichtung erleichtert das Eindringen des Öls in die trockene Vata-Haut.

 

Tipps für die herbstliche Yogapraxis

 

Eine wärmende Praxis ist für den Herbst empfehlenswert, da das Vata-Dosha sehr kälteempfindlich ist. Durch dynamische Flows und kraftvolle Sonnengrüße erzeugen wir Wärme und bringen Blutdruck und Stoffwechsel in Schwung. Durch die Kälte wird manchmal auch die Verdauung negativ beeinflusst, die ein Schwachpunkt des Vata-Doshas ist. Bei Verstopfung oder geschwächter, irritierter Verdauung können verdauungsfördernde Asanas unterstützend wirken, beispielsweise Schulterbrücke, Kleinkindhaltung, Knie zur Brust oder Twists. Unsere Yogapraxis darf jetzt besonders Erdung, Balance und Wärme beinhalten. Das können stehende Haltungen, Twists und Bauchmuskel-aktivierende Haltungen sein, wie z.B. stehende Vorwärtsbeugen, der Baum, Schmetterling, Thread the needle (Nadelöhr), die Kobra und natürlich ein ausführliches Shavasana.

 

Ergänzend zu den Asanas kommen nun selbstverständlich beruhigende Meditationen und ausgleichende Atemübungen in Frage, um Vata zu erden und zu besänftigen. Als erstes denke ich hier an Nadi Shodana, den Wechselatem (erklärt im Yin Yoga Video 3 in Folge 68 oder als Meditation mit Gefühltem Wechselatem). Auch Bhramari, das Bienensummen, ist eine Atemtechnik, die eine sehr beruhigende Wirkung auf Vata hat. Vata ist stark mit dem Nervensystem verbunden und hat daher eine ausgleichende Wirkung auf nervliche Störungen aller Art.

 

Konkrete Ernährungstipps

 

Sowie im Sommer Hitze und Sonne unser Wohlbefinden und unseren Körper stark beeinflussen, sind wir im Herbst mit anderen Herausforderungen konfrontiert. Im September und Oktober kann uns ein schöner Spätsommer noch einmal wärmen und das Pitta aus dem Sommer darf weiter gekühlt werden, so lange es noch dominant ist. Es lässt sich nicht pauschal sagen, dass für alle Menschen ab dem Stichtag Herbstanfang nur noch Vata-reduzierende Regeln gelten.

 

Wie immer ist es wichtig, genau hinzufühlen. Leicht lässt man sich von der vermeintlichen Wärme der Sonne täuschen – sie kann, muss aber nicht, kräftig und erhitzend wirken. Prüfe also genau, ob es ein wärmender Tee sein soll, nur weil der Kalender „Herbst“ sagt oder ob du weiter darauf achten darfst, dein Sommer-Pitta mit z. B. Minz-Gurken-Wasser und Limette im Zaum zu halten. Die Veränderung unseres Klimas ist auch bei uns deutlich zu spüren und so lassen sich die Jahreszeiten oft nicht mehr klar festschreiben. Bleibe achtsam und vertraue auf dein Gefühl, es hat sehr oft recht.

 

Mit der Ernährung können wir uns im Herbst mit befeuchtenden, erdenden und nährenden Lebensmitteln etwas Gutes tun. Wieder gilt es, in die saisonale Trickkiste zu greifen, die nun erdige und wärmende Gemüse bereithält, allen voran Kürbisse, Pastinaken und Süßkartoffeln. Aber auch wertvolle Nüsse als Quelle hochwertiger Fette dürfen jetzt auf dem Frühstücks-Porridge landen. Auch Nussmus oder Leinöl lassen sich gut integrieren.

 

Eine Regelmäßigkeit der Mahlzeiten hilft, da unregelmäßiges Essen Vata verstärkt. Vom Fasten im Herbst würde ich abraten. „Das Fasten vermehrt die Leichtigkeit des Körpers und Vata (das Luft-Element im Körper) ist ebenfalls leicht. So wird das Vata-Element durch zu langes Fasten gestört, was Furcht, Besorgtheit, Nervosität und Schwäche zur Folge hat.“ (S. 97, V. Lad).

Rohkost sollte nun deutlich reduziert werden. Sobald Vata vorherrscht und die Verdauungsleistung zurückgeht, kann Rohes nicht mehr so gut verdaut werden. Im schlechtesten Fall fühlt man sich durch Salat und Co eher geschwächt, kalt und der Bauch ist aufgebläht. Auch Kaffee und Tee dürfen reduziert werden, das würde Vata zusätzlich aufputschen und eventuell für zu viel Unruhe sorgen.

 

Menschen mit einer Vata-Konstitution sollten meiden: Trockenfrüchte, Äpfel, Melonen, Kartoffeln, Auberginen, Eis, Rindfleisch, Erbsen und grünen Salat. Besser sind: süße Früchte, Avocados, Kokosnüsse, brauner Reis, Rotkohl, Bananen, Trauben, Kirschen und Orangen.

 

Generell sollte die Nahrung süß, sauer, salzig, warm und ölig sein. Eine goldene Abend-Milch vor dem Schlafengehen stärkt das Immunsystem und verbessert den Schlaf.

 

Rezepte

 

Herbst Porridge

2 Hände voll Haferflocken Feinblatt, 1 EL gemahlen Nüsse (Haselnüsse oder Mandeln) rösten, 1 Viertel TL gemahlenen Kardamom und Zimt kurz mit anwärmen.

Ablöschen mit Hafermilch (oder andere Pflanzenmilch), kurz kochen, dann die Hitze reduzieren und 1 EL Erdmandelflocken (viel Vitamin C) sowie eine Prise Steinsalz hinzugeben.

Dazu Früchte separat in Ghee andünsten, z. B. eine süße Frucht wie Birne, Feige oder Kirsche.

Noch eine Idee: Ein warmes Crumble aus dem Ofen mit Himbeer-Banane oder den letzten Aprikosen nach Bärbels Rezepten.

 

Goldene Milch (Kurkuma-Latte)

200ml Pflanzenmilch kurz aufkochen mit den Gewürzen:

1 Scheibe Ingwer, 1 TL gemahlener Kurkuma, je 1 Prise Zimt, Kardamom und schwarzer Pfeffer, wer möchte darf noch einen Hauch Ahornsirup oder Reissirup dazu geben (optional)

Für die Milch am Abend eventuell auf Pfeffer verzichten und lieber mit Safran ersetzen, falls er zu anregend auf euch wirkt! Mit Honig darf bei Vata-Überschuss gesüßt werden, wenn die Milch etwas abgekühlt ist.

 

 

Pastinaken-Lauch Suppe

Lauch mit einem Lorbeerblatt und 1 EL Rosmarin in etwas Wasser weich dünsten. Dann die Pastinaken dazu geben und zusammen anbraten. Mit Wasser angießen und zum Kochen bringen. Hitze reduzieren und ½ TL Asafoetida hinzugeben. Kochen, bis alles Gemüse weich ist. Nach dem das Lorbeerblatt entfernt wurde, pürieren und mit Salz und Pfeffer und etwas Zitronensaft abschmecken.

 

Das Vata-Dosha steht übrigens für Kreativität – ladet sie in dieser bunten Jahreszeit zu euch ein und lasst sie wirken!

Ich wünsche euch einen wunderbar bunten Herbst,

Eure Colette

 

Literatur: Vasant Lad, Das Ayurweda Heilbuch (1986)

 

Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine Beratung und Untersuchung bei einem Heilpraktiker oder Arzt und ist für gesunde Leser konzipiert, die ayurvedische Tipps eigenverantwortlich für sich nutzen möchten. Bitte wendet euch bei chronischen Beschwerden an den Ansprechpartner eures Vertrauens.

 

Dieser Artikel erschien zuerst in ähnlicher Form auf Yogamour Plus.

 

photo credits to jakob-owens on unsplash

 

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