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Ayurveda im Frühling

Ayurveda im Frühling

Frühjahrsputz für den Körper - “detoxen” Ayurveda-Style

 

Der Frühling bewegt immer wieder etwas in uns Menschen. Alles steht auf Neuanfang, das Licht ist zurückgekehrt und die Knospen sprießen. Auch aus Ayurveda Perspektive gibt es einiges zu berichten. Der späte Winter geht sanft in den Frühling über, das Kapha Dosha wirkt noch immer vorherrschend, jedoch spielt auch das wärmende Pitta, und seine Qualitäten, zum Ende des Frühlings einer immer größere Rolle. Eigenschaften wie kühl, feucht, beweglich, weich und schleimig beschreiben den Frühling. Interessant ist, dass die Qualitäten sich im Vergleich mit dem Winter-Kapha bereits verändern, da das aus Feuer und Wasser bestehende Pitta bereits stark mitschwingt. Wenn wir vom Frühling sprechen, ist damit der Zeitraum März bis Mai gemeint. Wichtig ist vor allem, auch im Frühjahr mit den gegebenen Umständen gut auszukommen, um möglichst stark durch die jeweilige Jahreszeit zu gehen. Die Prinzipien des Ayurveda und die Bedeutung der Bioenergien (Doshas genannt) kannst du im Artikel “Ayurveda im Herbst” noch genauer kennenlernen. 



Detox und Entschlacken



So abgedroschen es klingen mag, der Frühling steht auch in der alten “Wissenschaft vom Leben” - dem Ayurveda - im Zeichen der Entgiftung und Entschlackung. 



Wie wir schon gehört haben, besteht die Bioenergie Kapha aus Wasser und Erde, zeichnet sich also durch schwere und auch schleimige Qualitäten aus. Das wunderbare Kapha Dosha kann uns Struktur und Stabilität schenken und ist ganz essentiell für unsere gesunden Gewebe und auch mentale Ausgeglichenheit. Im Übermaß jedoch, entstehen durch es jedoch Verschleimung, Starrheit und Schwere im Körper. Typisch ist hier der Fließschnupfen, der noch einmal eine Reihe von uns oft zum Ende des Winters und Anfang des Frühlings erwischt. Schuld daran kann das während des Winters angehäufte Kapha sein, das sich nun im Körper angesammelt hat und bei einer unpassenden Lebensweise den Körper unnötig belastet, bzw. keinen Ausweg findet. Allergien können ebenso dadurch auftreten, Kopfschmerzen und eine gestörte Verdauung plagen uns womöglich genauso wie die typische Frühjahrs-Müdigkeit.



Zum Glück kennen wir eine ganze Reihe an Empfehlungen aus dem Ayurveda, die uns diese Übergangsphase erleichtern - denn schließlich wollen wir uns jetzt voller Kraft an den längeren und immer wärmer werdenden Tagen erfreuen! 



Tagesroutinen im Frühling



So, wie im Frühjahr der Schnee schmilzt, gilt es nun auch das Kapha im Körper zum Schmelzen zu bringen und auszuleiten. Noch muss man Obacht geben bei zu leichter Kleidung. Ja, es ist furchtbar verlockend die leichteren Jacken und Kleider aus dem Winterschlaf zu befreien. Aber das vorherrschende Kapha ist sehr empfindlich und schnell beleidigt bei Kälteeinwirkungen. Daher empfiehlt es sich zu Beginn des Frühlings noch immer, sich warm zu halten. Auch heiße Getränke dürfen uns weiterhin durch den Tag begleiten. Doch jeder kennt auch die andere Seite - schon im Frühling kann man sich den ersten Sonnenbrand holen, wenn wir die Wärme suchen und die Sonnenstrahlen die blasse Haut wärmen. Das sommerliche Pitta hält Einzug in unseren Breitengraden. Auch, wenn die Wärme sich noch nicht lange halten mag, so können sich besonders Pitta-Typen schon jetzt mit zu großer Hitzeeinwirkung aus der Balance bringen. Höre hier wieder gut auf dein Gefühl, denn Frühlingstag ist nicht gleich Frühlingstag und darf von dir individuell eingeschätzt werden. Das tolle am feurigen Pitta-Dosha ist jetzt: wir kommen wieder voll in unsere Energie zurück, wir kommen ins Schaffen und haben Kraft. Noch viel genauer könnt ihr das auch im Artikel “Ayurveda im Sommer” nachlesen.



Alle Arten von Reinigungstechniken unterstützen den Körper nun, sich selbst zu säubern und die natürlichen Vorgänge der Entgiftungsorgane und -prozesse anzukurbeln. Die Nasenspülung kann z. B. dabei helfen, Pollen und Staub aus der Allergiker-Nase zu spülen. Da besonders die Nasennebenhöhlen anfällig für Verschleimungen sind und sich Kapha hier gerne sammelt, empfiehlt sich das Spülen der Nasengänge für uns alle.



Das Trockenbürsten hilft unserem größten Entgiftungsorgan, der Haut, sich von abgestoßenen Hautschüppchen und ausgeschiedenen Stoffwechselprodukten zu befreien. Am besten morgens mit einer Bürste aus dem Reformhaus oder Bioladen die trockenen Haut von außen zum Zentrum hin, mit kreisenden Bewegungen, bürsten. Diese Morgenroutine regt den Lymphfluss und die Blutzirkulation an und macht wach - also besser nicht vor dem Schlafengehen bürsten.



Klassisches Ayurveda rät: Zu dieser Jahreszeit besser kein Schläfchen tagsüber halten, wenn du zu Kapha typischen Symptomen neigst (Frühjahrsmüdigkeit, Kopfschmerzen, Allergien, Trägheit), da der Tagesschlaf Kapha verstärkt und vermehrt. Und wieder: dies ist lediglich eine Empfehlung und kein Dogma, entscheide für dich, was dir gut tut.



Brennnessel-Tee ist nicht nur im Ayurveda ein sehr beliebtes Getränk für den Frühling. Die Pflanze wächst nun in Deutschland, ist somit saisonal. Durch ihre entwässernden Eigenschaften spült und reinigt die Brennnessel. Die enthaltenen Mineralien unterstützen diesen Prozess und geben uns Kraft. Der Tee kann frisch oder in getrockneter Version eine schöne Unterstützung sein (Rezept unten).



An dieser Stelle finde ich besonders wichtig zu erwähnen: es ist ein großer Trend geworden sich besonders im Frühjahr von Schlacken und Stoffwechsel-Abfällen zu befreien. Detox ist in aller Munde! Jedoch ist es im Grunde nicht nötig, radikale (Ross-)Kuren einzulegen, denn wir vergessen so oft, dass wir wunderbare Entgiftungs-Organe besitzen, die tagtäglich unermüdlich für uns arbeiten und sich prächtig um alles kümmern. Das können sie jedoch am besten, wenn wir uns bemühen, einen möglichst ausgeglichenen Lebensstil zu pflegen. Denn wo man wenig Gift hineintut, da muss auch wenig Gift hinaus. Meine Empfehlungen sind lediglich dazu bestimmt, den Körper zu unterstützen und den Stoffwechsel nach dem Winter wieder in Schwung zu bringen.





Ernährung im Frühjahr



Wie die Ayurveda Fans schon lernen durften, war es im Herbst besonders wichtig, nährende und ölige Speisen wie Nüsse und Nussmus, sowie Öle und Wurzelgemüse zu integrieren. Bereits für den späten Winter habe ich es empfohlen und es gilt weiterhin für den Anfang des Frühlings: nun ist es für Körper und Stoffwechsel entlastender, etwas leichter zu essen. In keinem Fall meine ich damit die berühmten grünen Smoothies und Co, die von ihrer Qualität noch immer viel zu kalt für den Beginn des Frühlings sind. Falls du jedoch ein warmes morgendliches Porridge gewohnt bist, so könntest du nun den Anteil der Kohlenhydrate verringern und mehr auf gedünstete Früchte setzen. Wie immer gilt, dass du das für dich ganz individuell ausprobieren darfst, denn die Kunst liegt darin, den Übergang von kalter auf die wärmere Jahreszeit zu finden.



Wie schon erwähnt, können heiße Getränke hilfreich sein um Kapha zu verflüssigen. Besonders heißes Wasser mit der Schärfe des Ingwers kann, besonders bei Kapha-Typen, hilfreich für den Stoffwechsel sein. Schon im Herbst-Artikel habe ich empfohlen mit der scharfen Knolle vorsichtig zu haushalten und genau zu beobachten, wie sie auf Dauer wirkt. Wir sprechen hier auch nicht von einem Ingwer Tee, sondern einem mit Ingwer angereichertem heißen Wasser: Leitungswasser hierzu aufkochen und eine Scheibe frischen Ingwer übergießen. Bei jeglichen Hitze-Empfindungen (siehe auch Ayurveda im Sommer) eine Ingwer Pause einlegen. 



Leichte und warme Speisen sind im Frühjahr wichtig um dem Körper dabei zu unterstützen, alle Stoffwechsel-Vorgänge nun ideal durchzuführen. Nimm dir einen festen Zeitraum vor und koche dir gezielt einige Tage lang Gemüse-Suppen und leichte Gemüse-Eintöpfe und greife dabei zu bitteren Gemüsesorten (Fenchel, Grünkohl, Brokkoli, Blumenkohl, Pak Choi). Lasse hier beispielsweise Kokos-Milch und zusätzliche Fettquellen wie extra Ghee oder Öle weg, bzw. halte sie gering und integriere stattdessen Proteinquellen wie Linsen. Ein paar Tage zuckerfrei oder zuckerreduziert zu essen, verschaffen Leichtigkeit und Frische, genauso wie ein Kitchari-Tag. An einem solchen Entlastungstag wird drei bis viermal täglich ausschließlich Kitchari gegessen. Im traditionellen Kitchari sind wertvolle Proteinquellen enthalten, jedoch belastet das Gericht den Stoffwechsel nicht und gibt trotzdem Energie. 



Im Gewürzregal darf man im Frühling noch einmal ins Fach mit den scharfen, bitteren und zusammenziehenden Gewürzen greifen. Die als scharf deklarierten Gewürze Kreuzkümmel und Korriander befeuern die Verdauung, erhöhen jedoch, maßvoll genossen, nicht das Pitta Dosha. Paprika und Senfsamen hingegen schon eher, denn sie besitzen scharfe Qualitäten. Als bittere Gewürze sind Kurkuma und Kreuzkümmel sehr bekannt. Bei einem hohen Vata-Dosha oder in der Schwangerschaft muss hier bitte sehr vorsichtig gearbeitet werden. Lorbeerblätter, Fenchelsamen und Rosmarin sind astringend, bzw. zusammenziehend im Geschmack und dürfen in der Frühlings-Küche zum Einsatz kommen.



Tipps für die frühlingshafte Yogapraxis



Ein wenig wiederholen sich die Vorschläge aus dem Winter, da es am Anfang des Frühlings gilt, Hitze zu erzeugen und den Stoffwechsel ordentlich anzukurbeln. Wenn wir an Kapha verflüssigen denken, so macht es Sinn, schon morgens intensive Sonnengrüße zu üben. Man darf hier ruhig ins Schwitzen kommen - ihr erinnert euch, die Haut ist unser größtes Entgiftungsorgan! 

Natürlich erzeugen auch Kapalabhati und besonders der Feueratem Hitze und bringen uns in Schwung. Generell kann man sagen, dass eine dynamische Yogapraxis für den Frühling am sinnvollsten ist. Ich kann mich nur wiederholen, indem ich erneut an den Winter-Artikel anknüpfe, in dem ich kraftvolle Haltungen und Flows empfehle. 

Es kommt im späten Frühling zwar die Wärme zurück, jedoch ist es selten so heiß, dass ich von einer Yogastunde während der Tagesmitte abraten würde. Im Gegenteil, liebe ich die zurückkehrende Kraft im Frühjahr, wenn wieder Energie für Spielereien und Neues zurückkehrt. Generell sind alle Sportarten, die Freude bringen und zum Schwitzen bringen eine super Ergänzung zur Yogapraxis. Besonders interessant werden auch alle Formen von achtsam ausgeführten Twists. Durch die Drehung auf Höhe des dritten Chakras (Manipura Chakra sprechen wir gezielt das Energiezentrum an, das für unsere Durchsetzungskraft und unseren Willen steht. Gleichzeitig hat eine gedrehte Haltung Einfluss auf die Organe des Oberbauches und somit einen Effekt auf deren Aktivität. Da der Darm und die Leber davon betroffen sind, fördert ein Twist in gewissem Maße die Entgiftung und so schließt sich der Detox-Kreis.



Während meiner Meditation widme ich mich während des Frühjahrs, neben Fokus und Stille, nun auch meinen Visionen und Wünschen, die sich im Frühling und Sommer mit der Kraft des Lichts entfalten dürfen.



Zum Schluss



Mit dem Frühling haben wir nun alle Jahreszeiten aus Sicht des Ayurvedas betrachtet. An dieser Stelle ist es mir wichtig zu sagen, dass Ayurveda für dich als LeserIn eine Anregung und Inspiration für die eigene Selbstwahrnehmung sein soll. Er soll nicht als Allheilmittel und schnelle Lösung für alles betrachtet werden. 

 

Es verlangt Zeit und Offenheit sich selbst und seine Verhaltensweisen wirklich hinterfragen zu wollen. Alle Artikel sollen dir eine Einladung zum Erforschen deiner Umwelt und deiner Körperwahrnehmung sein. Wenn ich beispielsweise davon spreche, dass bei Hitze-Symptomen Achtung geboten ist, wenn es um Ingwer geht, so ist Voraussetzung, dass du diese Phänomene erst einmal achtsam wahrnimmst, um sie zu erkennen. Ich kenne es von mir selbst, dass ich mit gewissen Präparaten, Heilpflanzen und Empfehlungen jonglierte und ungeduldig auf Besserung wartete. Man kann auch zu viel wollen und dabei vergessen, dass es die feinen und kleinen Nuancen sind, die eine Veränderung mit sich bringen. Es soll nicht um Dogmen gehen, die das Leben komplizierter machen. Am Anfang meiner naturheilkundlichen Ausbildung erlebte ich viele Momente à la “Oh Mist, das darf ich ja nicht - das soll man nicht - das ist nicht gut.” Damit ist dir nicht geholfen. Ayurveda zeigt viele Empfehlungen und Möglichkeiten auf, aber vielleicht überwiegt trotzdem manchmal deine Intuition und dein Bauchgefühl, wenn es um Essen, Trinken und Schlafen geht. Vertraue darauf, denn vielleicht ist diese Empfindung die Ausnahme der Ausnahme und in diesem Moment für dich genau richtig. Arbeite dich also Stück für Stück dabei voran, dich selbst und deinen individuellen Körper immer besser kennenzulernen. Vielleicht darf Ayurveda hier dein Begleiter sein, erzähl mir gerne, wie es dir dabei ergangen ist!



Rezepte

Brennnessel-”Tee”

  • 1 handvoll frische Brennnessel-Blätter (die zarten, oberen Spitzen)

  • 2 Scheiben Ingwer



Aufgießen in einer Teekanne, ca. 7-8 Minuten ziehen lassen und dann genießen! Mit einem Spritzer Zitrone ist sogar die Aufnahme von etwas Eisen aus der Brennnessel möglich!



Kapha-Kitchari

  • 160 g Reis

  • 70 g Mung Dal

  • 500 ml Wasser (oder mehr)

  • 1 Stück Ingwer, etwas ½ Daumen groß fein gehackt

  • 1 TL Ghee

  • ¾ TL Kreuzkümmel

  • 1 TL Senfsaat

  • 1 TL Kurkuma gemahlen

  • 1 TL Koriander gemahlen

  • 1 TL Steinsalz

  • Prise schwarzer Pfeffer

  • Zitrone, Korriander nach Vorliebe



So geht’s: Reis und Mung Dal am besten über Nacht, mindestens aber 4 Stunden einweichen (verbessert die Verträglichkeit und erleichtert die Verdauung). Im Ghee die Kreuzkümmelsamen und Senfsaat anrösten, anschließend Ingwer andünsten und zuletzt sehr kurz Kurkuma und Koriander anschwitzen. Die abgeseiten Reiskörner und Mungdal kurz mit anrösten, mit Wasser ablöschen (es zischt eindrucksvoll durch die Feuchtigkeit, nicht erschrecken) und salzen. Kurz aufkochen und dann auf niedriger Temperatur mit Deckel sanft dämpfen lassen. Ich habe gelernt, dass jeder Topf und jeder Herd anders funktioniert, daher ist eine exakte Angabe der Wassermenge schwierig. Je flüssiger das Kitchari, desto leichter verdaulich, besonders abends. Bei Bedarf Wasser seitlich nachgießen, aber nicht umrühren, bis zum Schluss - ungefähr nach 25-35 Minuten. Mit Koriandergrün und einem großzügigen Spritzer Zitrone servieren. Ein Rest kann mit Wasser angegossen als Suppe erwärmt werden - ebenfalls vorzüglich.



Frühlings-Suppe 

  • 1 rote Zwiebel, fein gehackt

  • 1 Stange Lauch, feine Ringe

  • 1 Brokkoli

  • 1 Knolle Fenchel

  • 50 g Maisgrieß

  • Pak Choi

  • ½ TL scharfes Paprikapulver

  • ½ TL Kreuzkümmelsamen

  • 0,5l Wasser

  • 1 kleiner Zweig Rosmarin

  • ½ TL Ghee

  • 1 TL Steinsalz

  • ½ TL schwarzer Pfeffer



Anleitung: Als erstes Kreuzkümmelsamen in Ghee rösten, sobald sie knacken und duften, Zwiebel und Lauch in Ghee dazu geben und mit dem Paprikapulver ummanteln. Kurz auch den Maisgrieß mitrösten und anschließend mit Wasser ablöschen. Restliches Gemüse sowie den Rosmarin hinzugeben und etwa 30 Minuten köcheln lassen. Salzen und pfeffern und genießen!




Literatur: Das Ayurweda Heilbuch von Vasant Lad



Disclaimer: Dieser Artikel ersetzt keine Beratung und Untersuchung bei einem Heilpraktiker oder Arzt und ist für gesunde Leser konzipiert, die ayurvedische Tipps eigenverantwortlich für sich nutzen möchten. Bitte wendet euch bei chronischen Beschwerden an den Ansprechpartner eures Vertrauens

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